Anomalisa

Anfang 2016 kam der Film „Anomalisa“ von Paramount Pictures ins Kino. Zumindest in einige kleinere Programm-Kinos. Deren Animationsabteilung Paramount Animation trat erst 2015 erstmals mit eigenem Langilm „Spongebob“ in Erscheinung, in dem Spongebob per Computeranimation in die dritte Dimension befördert wurde. Umso unerwarteter war das, was man in Anomalisa, dem zweiten Film von Paramount Animation zu sehen bekommt, und es erklärt auch warum der Film nicht flächendeckend in den Kinopalästen des Landes lief:

Der Film ist animiert, allerdings nicht in CGI-Technik sondern mit analogen Puppen. Die Puppen sind – anders als beispielsweise bei den bekannten Puppentrickfiguren „Wallace & Gromit“, „Shaun, das Schaf“ von Aardman Studios oder dem verdächtig namensähnlichen „Paranorman“ von Laika – nicht im Cartoon-Stil gehalten, sondern sehr realistisch. Geld mit Merchandisingfiguren, wie bei Spongebob, lässt sich damit schonmal nicht mehr verdienen.

Die Geschichte geht auf das Drehbuch eines Theaterstücks aus dem Jahr 2005 des Autoren Charlie Kaufman zurück, den man unter anderem von Realfilmen wie „Adaption“ oder „Being John Malkowich“ kennt. Gezeigt werden zwei Tage bzw. Nächte im Leben eines Vertriebsgurus Michael Stone im Vorfeld zu einem Vortrag im Veranstaltungssaals eine x-beliebigen großen Hotels in Ohio. Alles spielt sich in diesem typischen Hotel ab. Familien- und Kinderfilm Fehlanzeige also, entgegen dem gängigen Kinderanimationsfilm der Spaß macht ein über weite Strecken nachdenklich-bedrückender Film mit erwachsenem Thema, der seine positive Energie aus dem Spiel der Charaktere bezieht, aus Mimik und Körpersprache – aus der Körpersprache von Puppen wohlgemerkt.

Man hätte diesen Film auch als Realfilm a la „Lost in Translation“ drehen können mag man jetzt denken, denn phantastische Welten gibt es nicht zu bestaunen, lustig-cartoonige Charaktere mit ungewöhnliche Proportionen gibt es auch nicht. Trotzdem verbirgt sich in der Wahl der Puppentechnik die Genialität des Films, die einem irgendwann im Laufe der Story unerwartet einleuchtet, denn die Ähnlichkeit vieler Figuren im Film, mit denen die Hauptfigur Michael Stone im Laufe der Geschichte zu tun hat, hat einen geheimen, tief im Plot der Story verankerten Grund.

Für mich persönlich – wie man wahrscheinlich schon herauslesen kann 🙂 – einer der besten Animationsfilme und Filme der letzten Jahre, noch dazu zusammen mit Pixars „Inside Out“ ein Zeichen dafür, dass auch komplexere psychologische Themen langsam Einzug ins Mainstream-Animationskino finden.Beide Filme, „Anomalisa“ und „Inside Out“ waren übrigens für den Oscar nominiert, letzterer hat – vermutlich wegen der größeren Zielgruppe – wie zu erwarten (und verdient) abgeräumt.